Das Ende eines Bullenmarktes?

Franklin Templeton Fondsmanager Michael Hasenstab im Interview

``Michael Hasenstab``

Foto: Michael Hasenstab Fondsmanager Franklin Templeton

Er ist einer der ganz Großen im Geschäft mit Anleihen: Michael Hasenstab. Der 44-Jährige betreut für die US-Fondsgesellschaft Franklin Templeton Investments eine dreistellige Milliarden-Dollar-Summe in festverzinslichen Papieren.  Zuletzt war er damit allerdings nicht so erfolgreich. Anleger zogen viel Geld aus seinen Fonds ab, weil er schlechte Erträge lieferte.
Jetzt glaubt sich der 44-Jährige auf gutem Kurs. Die Gründe erläutert er am Rande der Investorenkonferenz „Fund Forum International“ in Berlin. Hasenstab ist überzeugt, dass er von weiter steigenden US-Zinsen profitieren wird und dass er mit seinen Positionen in Ländern wie Mexiko, Südkorea, Brasilien und Indien eine gute Wahl getroffen hat.

Herr Hasenstab, Anleger haben aus Ihren beiden großen Flaggschifffonds „Global Bond“ und „Global Total Return“ in Europa während der vergangenen Jahre 33 Milliarden Dollar abgezogen. Was steckt dahinter?

Wir waren früh der Meinung, dass die US-Zinsen steigen werden. Darauf haben wir uns mit Wetten auf fallende Anleihekurse eingestellt, aber eben zu früh.  Außerdem haben wir die Entwicklung des Euros falsch eingeschätzt. Das ging zulasten der Performance. Die jüngsten Zahlen sehen allerdings besser aus.

Im vergangenen Jahr verbuchten die Fonds nach Rechnung der Agentur Morningstar Verluste um die zehn Prozent.

Ich manage die Fonds auf Dollar-Basis. Aus Euro-Sicht hat da der schwache Dollar eine wichtige Rolle gespielt.

In diesem Jahr liegen die Fonds ein bis zwei Prozent im Plus. Haben Sie Ihre große Wette am US-Bondmarkt durchgehalten?

Wir waren zu früh dran, aber die vergangenen Monate geben uns jetzt recht. Die Renditen sind bereits stark gestiegen. Auch die jüngste Zinserhöhung der US-Notenbank bestärkt uns in unserer Meinung.

Manche Experten glauben, damit werde das Ende eines mehr als 30-jährigen Aufschwungs der US-Anleihen eingeleitet. Sie auch?

Wir erleben das Ende des Bullenmarkts im Grunde in allen Industrieländern.

Wie richten Sie die Fonds darauf ein?

Indem wir nur geringe Positionen in US-Anleihen halten, rund vier Prozent. Vor allem aber haben wir die Fonds so ausgerichtet, dass sie von steigenden Zinsen sogar profitieren würden.

Ihre Fonds sind sehr groß, und Sie lieben Schwellenländer. Haben Sie da nicht manchmal ein Liquiditätsproblem?

Nein. Ich besaß zeitweise größere Anteile an Staatsanleihen in Polen, Ungarn und der Ukraine. Wir hielten beispielsweise zehn Prozent an den ungarischen Auslandsbonds. Aber da gab es nie ein Liquiditätsproblem. Derzeit steckt ein Fünftel der Fondsgelder in mexikanischen Titeln. Wir können Milliarden von Dollar in Minuten handeln, ohne Schwierigkeiten.

Fühlen Sie sich noch gut aufgehoben in den Emerging Markets, nach den vielen schlechten Nachrichten aus der Türkei, Argentinien, Brasilien und natürlich Venezuela, die die nationalen Bondmärkte unter Stress setzen?

Wir sind in der Türkei und in Venezuela nicht engagiert. In Argentinien haben wir eine Position. Dort scheint die Wende zum Besseren absehbar, das sollte den Anleihen helfen. Bei den anstehenden Wahlen in Brasilien erwarten wir ein Ergebnis, dass der Wirtschaft und damit den Märkten nutzen dürfte.

Auf welchen Ländern ruhen Ihre größten Hoffnungen?

Die größten Positionen halten wir in Südkorea, Mexiko, Brasilien, Indien. Bei unseren kleineren Beständen fallen mir zuerst Kolumbien und Ghana ein, aber auch Indien. Die Durchschnittsrendite der Fondspapiere liegt übrigens bei rund fünf Prozent.

Sie halten mehr als zehn Prozent des Fondskapitals in Barmitteln. Das ist viel. Gibt es so wenig attraktive Anlagemöglichkeiten?

Wir haben gerade Gewinne bei ungarischen und polnischen Anleihen realisiert, gleichzeitig in Südamerika zugekauft, aber nicht die ganzen Einnahmen dafür aufgewendet. Außerdem binden unsere Positionen, mit denen wir auf steigende US-Zinsen setzen, Kapital. Einen Teil der Barmittel halten wir auch bewusst, um bei sich ergebenden Gelegenheiten zugreifen zu können.

Sind italienische Staatsanleihen nach dem starken Anstieg der Renditen in den vergangenen Monaten wieder attraktiv?

Nein, denn die italienischen Staatsschulden sind extrem hoch. Schon bei einer Rendite von 3,5 Prozent für die zehnjährigen Papiere wären die Zinszahlungen nicht durchhaltbar. Und die populistische Welle spricht dafür, dass es noch mehr Schulden werden. Wir lassen die Finger von ganz Südeuropa, wir sind dort nirgendwo engagiert.

Sie legen viel Wert darauf, dass die ausgewählten Länder den Ansprüchen an nachhaltige Investments standhalten, was Umwelt, soziale Verantwortung und Wirtschaftsorganisation angeht. Lohnt sich das?

Wenn sich die Dinge in die richtige Richtung entwickeln, dann schon.  Argentinien beispielsweise schneidet da jetzt noch schlecht ab, aber die Lage wird sich verbessern. Das deutet bereits der jüngst eingeräumte Kredit des Internationalen Währungsfonds an. Ein anderes Beispiel ist Indien. Das Land ist mit Wirtschaftsreformen und dank des Anti-Korruptionskurses auf gutem Kurs und für uns attraktiv.

Ist das Thema mehr als ein modischer Trend, und überzeugt das auch die Investoren?

Wenn solche Kriterien am Ende auch den Anlageerfolg verbessern, dann werden es sicher alle gut finden. Bisher wurden Nachhaltigkeitskriterien eher bei der Aktienauswahl eingesetzt. Im Staatsanleihebereich sehen wir uns auf dem Feld als ein Vorreiter.

Manche Anleger blicken nach Russland, finden die hohen Anleiherenditen dort attraktiv. Sie auch?

Nein. Die Risiken sind zu hoch. Bei den Nachhaltigkeitskriterien schneidet das Land zudem schlecht ab, und es dürfte noch schlechter werden.

Was war Ihre beste und Ihre schlechteste Entscheidung?

Das sind zwei Fragen, aber ich kann beide mit dem einen Satz beantworten: in Stresssituationen an den Märkten und damit bei tiefen Kursen zu kaufen.  Manchmal sind wir einfach zu früh dran, weil die Kurse noch weiter fallen. Aber langfristig zahlt sich das oft aus.

Quelle: Handelsblatt print Nr. 122 vom 28.06.2018

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