Ist die Börse noch normal?

Am Umfeld (Inflation, Ukrainekrieg, steigende Energiekosten) hat sich im “Sommerloch” nichts geändert. Trotzdem beginnen die Kurse wieder zu steigen

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früher galt die Börse als rational – geradezu als Hort der Rationalität. Es hieß, alle verfügbaren Informationen seien zu jeder Zeit in den Kursen enthalten. Effizienzmarkthypothese oder wahlweise auch Markteffizienzhypothese nannten die Wissenschaftler das.

Ich habe das nie geglaubt. Wenn da draußen in der Welt Leute rumlaufen, informiert oder uninformiert, mit Ängsten und Sorgen, Gier und Geiz, die einen mit übersteigertem Selbstwertgefühl, die anderen eher dauerfrustriert – wie sollte „die Börse“ da normal sein können? Und seien wir ehrlich: Irgendeine Macke hat doch jeder.

Man muss das Pferd deshalb andersherum aufzäumen: Wenn also eine Aktie an einem Tag zweistellig einbricht, nur weil der Firmengewinn ein Prozent langsamer steigt als prognostiziert, mag das rational betrachtet Unsinn sein, an der Börse wiederum ist es ziemlich normal. Und deshalb wundert es mich auch kein bisschen, wenn die Aktien im ersten Halbjahr absacken wie seit Jahrzehnten nicht mehr und mitten im vermeintlichen Sommerloch wieder kräftig anziehen, ohne dass sich groß was geändert hätte.

Die Börse reagiert oft vorschnell, übertrieben und manchmal fast schon selbstzerstörerisch. Meist ist es sogar zunächst die Angst, dass irgendwas passieren könnte, und anschließend erfolgt die Reaktion, wenn etwas passiert ist (oder auch nicht). Also die doppelte Schwankungs-Dosis. Am einen Tag verliert der Dow Jones wegen einer „markterschütternden“ Nachricht 500 Punkte, am nächsten Tag erholt er sich einfach wieder. Oft setzt überfallartig die Panik oder auch die Gier ein. Weil letztlich eben doch Menschen die Entscheidungen treffen – und nicht „die Börse“ oder „der Markt“.

Tatsächlich aber ist die Börse trotzdem durchaus effizient – auf lange Sicht. Deshalb sollte man sich nicht vom kurzfristigen irrationalen Treiben infizieren lassen und auch niemals irgendwelchen Trends hinterherhecheln oder auf sonst was spekulieren. Am Ende zählt für den Daueranleger nur die langfristige Unternehmensentwicklung. Und da ist die Börse völlig normal: Bei guten Unternehmen, deren Gewinne mit den Jahren immer höher steigen, steigt auch der Aktienkurs. Man darf sich eben nur nicht zwischendurch verrückt machen lassen – vom ganz normalen Wahnsinn an der Börse.

Wann die Trendwende kommt, kann Ihnen also keiner vorhersagen. Jedoch zu wissen, dass die starken Aufwärtsphasen, also die sogenannten Bullenmärkte, die Abwärtsphasen (Bärenmärkte) im Bezug auf die Dauer und auch die Wertentwicklung bislang immer deutlich übertroffen haben, wirkt dabei äußerst beruhigend (Grafik weiter unten). Anlegern mit einem entsprechend langem Anlagehorizont, von idealerweise mindestens 10 Jahren (mind. 5 Jahre bei täglicher Verfügbarkeit; stark abhängig von der individuellen Situation eines jeden Anlegers), raten wir daher auch jetzt schon, in den Markt einzusteigen.

Ob dies nun in mehreren Teilbeträgen oder in einer Summe, innerhalb unserer vielfältigen Vermögensverwaltungen oder über Einzelfonds passiert, darüber entscheiden Sie.

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