Dirk Porath zu Besuch bei Dr. Bert Flossbach, Inhaber der Flossbach von Storch AG in Köln

30.04.2016

Am 19. April 2016 besuchte unser Geschäftsführer, Herr Dirk Porath, die „heiligen“ Räume eines der am schnellsten wachsenden Vermögensverwaltungs- und Investmentgesellschaftsunternehmen der Welt: Der Flossbach von Storch AG, gegründet von  den Inhabern Dr. Bert Flossbach und Kurt von Storch.
Der Investmentfonds „Flossbach von Storch Multiple Opportunities“ hat mittlerweile Kultstatus erreicht, weil er als „vermögenswirksamer Multi Asset-Fonds“ sehr flexibel und erfolgreich ist.

Unser Ansprechpartner ist Dr. Bert Flossbach, der einem erlauchten, kleinen Kreis einen Vortrag über die aktuellen Situation an den Wertpapiermärkten im jetzigen Niedrigzinsumfeld hält.

Damit fängt er dann auch direkt an: Die EZB ergreift immer neue Maßnahmen, um den Zins in der Eurozone nahe null und darunter zu zementieren. Langsam dämmert es auch den Deutschen, dass diese Form der aggressiven Geldpolitik gravierend sein wird. Denn die Politik gewöhnt sich daran:

So sparen die Eurostaaten gerade in den nächsten Jahren massive Zinszahlungen, die sie anderweitig verplanen. Wir zitieren dazu Bert Flossbach selbst:

„Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den ‚Point of no Return‘ überschritten. Mit ihren jüngsten Beschlüssen hat sie einmal mehr deutlich gemacht, die Eurozone im Zweifel mit noch mehr Geld zu fluten. Eine solch aggressive Geldpolitik wird schon allein deshalb nötig sein, um den südlichen Euroländern genügend Luft zum Atmen zu geben und den Euro zusammenzuhalten. Auch die Bank of Japan hat signalisiert, im Zweifel noch radikalere Maßnahmen zu ergreifen. In diesem Umfeld wird die „Zinswende“ der US-Notenbank kaum gelingen.

Die mangelnde Wirksamkeit der geldpolitischen Experimente verdeutlicht die schwindende Macht der Notenbanken; abhalten wird sich das jedoch nicht, die Dosis weiter zu erhöhen. Das Vertrauen in das Geldsystem schwindet angesichts der aggressiven Notenbankpolitik – nicht über Nacht, sondern stetig. Mal langsamer, mal etwas schneller, je nachdem, wie radikal die Maßnahmen sind, die die Notenbanken verkünden. Die Finanzkrise verwandelt sich zunehmend in eine Krise des Geldes: Nicht Cash, sondern hochwertige Sachwerte sind gefragt.“

Laut Flossbach sind Sachwerte in erster Linie Aktien, Gold und Immobilien. Erstaunlich ist auch die Annekdote, dass die Münchener Rück – Versicherung mittlerweile sowohl € 400 Millionen in Gold als auch in bar (!!) in ihren Kellergewölben lagern soll. Denn für jede Privatperson und jede Firma, die mehr als € 500.000,- auf Giro- und Tagesgeldkonten hortet, stellt sich die Frage der Negativzinsen bereits heute! Selbst Flossbach muss in bestimmten Fällen -0,4% aufs Tagesgeld zahlen. Dann sollte man lieber Gold-ETF`s kaufen, so Flossbach. (Anm.d.Red.: Wobei Gold bekanntlich keine Zinsen bringt und auch vom Dollarkurs abhängig ist.)

Aufgrund der momentan relativ unklaren Lage an den Aktienmärkten hat Flossbach den Aktienanteil seines über € 8 Milliarden schweren Fonds „FvS Multiple Opportunities“ momentan auf 60% reduziert,. Da hätten wir mehr erwartet, zumal die meisten Vermögensverwalterkollegen den Aktienmarkt verhalten optimistisch einschätzen und der Fonds ja als dynamisch und flexibel gilt. Wobei er das auch ist. Sollten die Kurse kurzfristig nach unten rutschen, steht Flossbach für antizyklische Neukäufe sofort bereit. Besonders im ersten Quartal 2016 konnte er so öfters auch kurzfristig Kursgewinne erzielen. Denn nach einer deutlichen Erholung der Aktienmärkte hat er bestimmte Positionen wieder reduziert und so Kursgewinne realisiert.

Der „Weltzins“ liegt nur noch bei 1% p.a., ein weiteres Absinken nach unten ist nicht ausgeschlossen.

Dazu Dr. Flossbach weiter: „Der Immobilienmarkt profitiert hiervon noch am meisten. Die Kredite sind inzwischen so billig, dass damit auch hoch bewertete Immobilien unterm Strich noch eine positive Rendite abwerfen, so Flossbach. 2015 sind die Wohnungspreise in den größten deutschen Städten so stark gestiegen wie zuletzt im Wiedervereinigungsboom der 1990er Jahre. Eine mittelgroße Eigentumswohnung in München beispielsweise kostet heute 6.338 Euro pro Quadratmeter und damit 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor (vgl. Grafik 5). Dabei handelt es sich um den Durchschnittspreis aller ausgewerteten Wohnungsinserate – Objekte in guter Lage kosten leicht das Doppelte.

Sollten die Zinsen jemals wieder deutlich steigen, erwischt es Immobilieninvestoren, die ihre „Renditeobjekte“ größtenteils über Kredite finanziert haben, doppelt hart: Die Zinsbelastung schießt in die Höhe, und der Wert der Immobilie sackt ab. Was das bedeutet, hat die US-Hypothekenkrise mehr als deutlich gezeigt. Noch ist jedoch kein Ende des Trends in Sicht. In den kommenden Jahren dürften noch mehr Kredite für immer noch teurere Immobilien vergeben werden – Mario Draghi sei Dank. Je länger der Zins so niedrig bleibt, desto größer der Gewöhnungseffekt und umso dramatischer die Folgen eines späteren Zinsanstiegs. Ob es den Notenbanken gelingt, ihre Geldpolitik irgendwann irgendwie zu normalisieren, liegt nicht mehr allein in ihren Händen. Die weitere Entwicklung hängt nicht zuletzt von den Menschen selbst ab. Sie könnten schon bald nach vertrauenswürdigeren Wertaufbewahrungsmitteln als Bargeld oder Bankeinlagen suchen. Wann dieser Prozess an Dynamik gewinnt und wie er genau abläuft, ist nicht vorhersehbar. Es spricht jedoch vieles dafür, dass er bereits begonnen hat.

Sollten die Zinsen jemals wieder deutlich steigen, erwischt es Immobilieninvestoren, die ihre „Renditeobjekte“ größtenteils über Kredite finanziert haben, doppelt hart: Die Zinsbelastung schießt in die Höhe, und der Wert der Immobilie sackt ab.

In diesem Umfeld dürften die Preise für Vermögensanlagen weiter zulegen. Immobilien verkörpern den Wertsicherungscharakter wie kaum eine andere Anlagemöglichkeit. Allerdings ist der Erwerb vergleichsweise aufwändig und teuer (je nach Bundesland fallen bis zu zehn Prozent Erwerbsnebenkosten an); klassische Renditeobjekte werfen nach Kosten nicht mehr viel ab. Im Vergleich dazu sind Aktien immer noch als geradezu „preiswert“ zu bezeichnen, obwohl sich die Bewertungen in den vergangenen Jahren stetig erhöht haben. Vor allem Aktien ertragsstabiler Unternehmen mit sicheren Dividenden profitieren vom Tiefzinsumfeld. Wir haben den Expansionseffekt bei den Bewertungen ausführlich in früheren Berichten beschrieben. Auch wenn Anleger lieber steigende Unternehmensgewinne als steigende Bewertungen sehen, ist der bisherige Bewertungsanstieg fundamental gerechtfertigt. Eine lang anhaltende Tiefzinsphase, die von Anlegern zunehmend in ihr Investitionskalkül einbezogen wird (was bei Immobilien schon längst der Fall ist), würde einen weiteren Bewertungsanstieg rechtfertigen. Bei einem angenommenen bescheidenen Gewinnwachstum von ein bis zwei Prozent p.a. und einem Bewertungsanstieg von zehn bis zwanzig Prozent über fünf Jahre ergäbe sich ein jährliches Kurspotenzial von drei bis sechs Prozent, was inklusive Dividenden ein Gesamtertragspotenzial von fünf bis acht Prozent p.a. für Qualitätsaktien ergibt. Ein solches Ertragspotenzial ist angesichts des Nullzinsumfelds sehr attraktiv, weshalb Aktienanlagen ein wesentlicher Eckpfeiler unserer Anlagestrategie sind, wobei wir die Gewichtung und Titelselektion antizyklisch adjustieren. Auch US-Unternehmensanleihen und Euro-Nachranganleihen mit ordentlicher Bonität werfen mit drei bis sechs Prozent noch attraktive Renditen ab und bieten zusätzliches Kurspotenzial. Im Anleihesegment bleibt eine opportunistische Vorgehensweise weiterhin von entscheidender Bedeutung für den Anlageerfolg. Gold-Anlagen sind angesichts der deutlichen Kursgewinne bei Aktien und Anleihen in den vergangenen Jahren zunehmend in Frage gestellt worden. Das dürfte sich ändern. Die fast schon verzweifelt wirkende Notenbankpolitik und damit verbundene Gefahr eines Vertrauensverlustes in das Geld- und Finanzsystem rücken das Edelmetall wieder in den Fokus der Investoren. Gold ist ein Rettungsschirm, sollten EZB-, BoJ- oder Fed-Airlines notlanden müssen; ein Rettungsschirm, von dem wir immer noch hoffen, ihn nicht zu benötigen.

Gold ist die Währung der „letzten Instanz“! (Dr. Bert Flossbach)

Gold ist nicht beliebig vermehrbar, hoch liquide und weltweit als Währung der letzten Instanz akzeptiert. Gold ist damit ein besseres Wertaufbewahrungsmittel als Giralgeld. Ein Blick auf den „Goldwert“ von US-Dollar und Euro verdeutlicht das. Im Jahr 1999, bei Einführung der Gemeinschaftswährung, entsprach ein Euro mehr als 0,12 Gramm Gold; heute sind es nur noch knapp 0,03 Gramm. Der Goldwert des US-Dollars fiel in der gleichen Zeit von knapp 0,11 auf 0,025 Gramm (vgl. Grafik 6). Selbst wenn man bedenkt, dass man mit Giralgeld im Gegensatz zu Gold früher einmal Zinsen erwirtschaften konnte und diese miteinbezieht, sieht die Bilanz für das Giralgeld nicht gut aus. Ohne Abzug von Steuern würden die Zinseinnahmen auf Euro- und Dollarguthaben den aktuellen „Goldwert“ auf rund 0,04 Gramm pro Euro bzw. Dollar erhöhen, was immer noch einen Verlust von zwei Dritteln gegenüber dem Jahr 1999 bedeutet.

Nennenswerte Zinserträge auf Giralgeld wird es in der überschaubaren Zukunft nicht mehr geben. Für Großinvestoren, die Strafzinsen von 0,4 bis 0,5 Prozent auf ihre Euro-Guthaben zahlen müssen, bietet die Goldanlage mit jährlichen Kosten von ca. 0,1 Prozent sogar eine „Zusatzrendite“. Damit hat sich der wichtigste Grund gegen die Goldhaltung (kein Zinsertrag) sogar in einen Vorteil gewandelt (kein Strafzins). Vielleicht werden deshalb weitere Versicherungsgesellschaften dem Beispiel der Münchener Rück folgen, die Goldbarren im Wert von rund 400 Mio. Euro im Tresor liegen hat (was allerdings erst 0,2 Prozent ihrer Gesamtanlagesumme entspricht). Nachdem der Goldpreis seit seinem Höchststand im September 2011 bis Dezember 2015 um 45 Prozent gefallen war (in Euro um gut 30 Prozent), setzte Anfang 2016 eine starke Aufwärtsbewegung ein. Vom Dezembertief bei 1.050 US-Dollar bis zum Höchststand im März von 1.272 US-Dollar stieg der Preis um 21 Prozent. Dieser Anstieg wurde von massiven Zuflüssen in Goldfonds getragen; deren Volumen ist seit Jahresanfang um 300- auf insgesamt 1.764 Tonnen gestiegen (vgl. Grafik 7). Es dürfte kein Zufall gewesen sein, dass der Goldpreis unmittelbar nach der US-Notenbanksitzung am 16. Dezember seinen Tiefpunkt erreicht hat und danach kontinuierlich zulegte. Im Gegensatz zu früheren Preisanstiegen, die zumeist geopolitische Gründe hatten und nur kurzfristiger Natur waren (z.B. Annektierung der Krim durch Russland in 2014), ist der jüngste Anstieg ein ernstzunehmendes Zeichen, zumal uns die Geldschwemme der Notenbanken als Hauptursache des Preisanstiegs noch lange erhalten bleiben wird. Eine Rückbesinnung der Anleger auf Gold als Wertaufbewahrungsmittel würde einen ungleich stärkeren Nachfrageschub auslösen als die traditionell dominante Goldnachfrage aus China und Indien.

Grafik 8 verdeutlicht das rasante Wachstum der Zentralbankgeldmengen in den sechs wichtigsten Währungsräumen (Dollar, Euro, Yen, Renminbi, Pfund und Schweizer Franken). Von Ende 2007 bis Ende 2016 wird sich die Zentralbankgeldmenge von 3.469 auf rund 12.900 Mrd. US-Dollar fast vervierfacht haben. Das bedeutet ein jährliches Geldmengenwachstum von 15,7 Prozent, dem ein Wachstum des weltweiten Goldbestands von nur 1,5 Prozent pro Jahr gegenübersteht.“

Fazit nach Besuch des Flossbach-Teams in Köln:

Nach über 2 Stunden raucht unser Kopf nach dem Vortrag von Dr. Flossbach. Wir ahnen, dass durch die EZB-Politik noch einiges an Ungemach auf uns zukommt. Wir wissen jetzt, dass große Mengen Sicht- oder Kontengeld, also auf Bankkonten, keine gute Lösung für unser Geld ist. Dann lieber irgendwo Bargeld horten. Oder besser Gold. Oder besser Immobilien. Oder noch besser, da angeblich preisgünstiger, Aktien. Sprich Sachwerte. Da aber keiner weiß, was noch auf uns zukommt und überall Risiken lauern, benötigen wir eine Mischung aus allem. „Denn wer streut, rutscht nicht!“ist nicht umsonst das PCI-Motto. Oder wir kaufen scheibchenweise seinen Investmentfonds „Flossbach von Storch Multiple Opportunities“z.B. in Form eines Sparplanes oder als Einmalanlage. Denn der enthält von allem etwas und wird ständig von dem Flossbach-Team überwacht. Im 28. Stock des „KölnSky“ – Hochhauses mit herrlichem Blick auf den Kölner Dom.

Redaktion: Dirk Porath